So transformiert Digital-Health den Gesundheitsmarkt!

Von Sabine von Merzljak
so-transformiert-digital-health-den-gesundheitsmarkt-1920x1005

Gesundheit wird digital!

Ob Smart Watch oder elektrische Zahnbürste – immer mehr digitale Helfer bieten Unterstützungsfunktionen, die unsere Gesundheit im Blick behalten. Genutzt werden hierfür gern Gesundheits-Apps, sei es zur Informationsbeschaffung oder zur eigenständigen Überprüfung von Gesundheitsdaten wie Blutdruck, Puls und Kalorienverbrauch.

Kleine Helfer mit vielen Funktionen

Die eigene Gesundheit zu erhalten, stärken und vielleicht sogar zu optimieren, das ist mittlerweile Normalität für viele Menschen in Deutschland. Die Vorteile für den Nutzer liegen dabei klar auf der Hand: Messungen finden selbstständig ohne notwendigen Arztbesuch nebenbei im Alltag statt. Das ist nicht nur bequem, sondern bei Risikopatienten auch absolut hilfreich, um Langzeitwerte  z.B. von Blutdruck und Puls im Blick zu behalten. Die digitalen Helfer haben also nicht nur eine präventive und beruhigende Komponente für den Patienten, sondern schaffen durch die gesammelten Daten einen echten Mehrwert für den behandelnden Arzt.

Digitale Innovationen transformieren den Markt

Interessant wird es vor allem, wenn medizinische Expertise und Digitalisierung zusammentreffen. So entstehen Innovationen mit der Kraft, den Gesundheitsmarkt zu revolutionieren. Neue Möglichkeiten der medizinischen und ärztlichen Versorgung, wie sie sich bereits durch 3D-Druck oder Telemedizin zeigen, werden in Zukunft durch mobile Apps und medizinische Wearables noch an Dynamik gewinnen. 

Auch wenn das Gesundheitssystem in Deutschland nicht für schnellste Entscheidungen und einen hohen Innovationsgrad bekannt ist, befindet es sich längst in einem Transformationsprozess, der nicht mehr aufzuhalten ist. Denn die Digitalisierung ist auch hier der Motor für Veränderungen. Ein wesentlicher Grund hierfür sind neue Unternehmen, die in den Gesundheitsmarkt drängen. Denn neben den bekannten Akteuren im Gesundheitssystem ruft die digitale Transformation Start-Ups auf den Plan, die mit digitalen Angeboten „Lücken“ im Gesundheitssystem füllen bzw. auf Wünsche und Nachfragen von Patienten eingehen, die bislang nicht oder wenig abgedeckt werden. 

 

Digitale Gesundheitsanwendungen, kurz DiGAs, können seit Oktober 2020 auf Rezept verschrieben und über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden. Im Unterschied zu Gesundheits-Apps sind diese DiGAs zertifizierte Medizinprodukte der Risikoklasse I oder IIa und müssen den medizinischen Nutzen valide nachweisen. Weitere wichtige Kriterien sind einfache Bedienbarkeit und die Einhaltung der Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung sowie der Digitalen Gesundheitsanwendungen-Verordnung (DiGAV), Paragraph 4 bis 6. Anbieter von DiGAs dürfen die erhobenen Daten weder  zu Werbezwecken an Dritte veräußern noch nach Beendigung der Nutzung weiter speichern.

digitalisierung-als-motor-für-veraenderungen-im-Gesundheitssystem

Im Bereich digitaler Assistenzsysteme oder auch bei Hilfe-Apps gibt es bereits einige beeindruckende Beispiele für die fortschreitende Nutzung von mobilen Apps: 

Kinderheldin: Hebammen-Live-Beratung

Die Online-Plattform Kinderheldin bietet Beratung für alle Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Kind. Per Live-Chat oder Telefonat können sich Eltern mit ihren Fragen an erfahrene Hebammen wenden. Dabei besteht die Möglichkeit, sich einmalig oder auch per Flatrate für einen Monat Unterstützung zu holen.

Die Vorteile: Termine können nicht nur individuell vereinbart werden, sondern sind auch örtlich unabhängig möglich und bieten so viel Flexibilität. Zuverlässige und schnell erreichbare Hilfe von einer Hebamme ist zudem ein Alleinstellungsmerkmal, dass sich sicherlich viele Frauen wünschen. Hier verbinden sich digitale Möglichkeiten mit Fachwissen zu einem echten Mehrwert für Eltern und verbessern zudem die Versorgungsstruktur in Zeiten, in denen Hebammen knapp sind.

Moodpath- App: Wege aus der Depression

Die Moodpath-App bieten Menschen Hilfe, die an Depressionen leiden bzw. vermuten, eine Depression zu haben. Mit Hilfe der App kann der Benutzer seine Gemütslage differenziert beschreiben und analysieren. Anschließend erhält der Nutzer einen elektronischen Arztbrief, der ihm hilft, die Probleme mit Ärzten zu besprechen. Außerdem stellt die App täglich individuelle psychologische Videos und Übungen für den Nutzer zur Verfügung.

Auch hier liegen die Vorteile in der Digitalität. Denn die App ist jederzeit verfügbar und zudem ein niedrigschwelliges Angebot, das Patienten den „ersten Schritt“ zu professioneller Hilfe erleichtern kann.

Sowohl "Kinderheldin" als auch "Moodpath" sind bezeichnenderweise in Gesundheitsbereichen zu finden, in denen der Kontakt zu Fachpersonal oft schwierig oder mit langen Wartezeiten verbunden ist!

Imito: Digitale Wundvermessung

Das Schweizer Startup Imito bietet eine vereinfachte Foto- und Videodokumentation zur digitalen Vermessung von Wunden im Krankenhaus. Über eine App wird ein Foto von einer Wunde vermessen und anschließend in die elektronische Patientenakte eingebettet. So haben behandelnde Ärzte jederzeit Zugriff auf die Daten und der Heilungsverlauf lässt sich gut dokumentieren bzw. die Behandlung entsprechend optimieren. Eine digitale Lösung, die nicht nur Zeit spart, sondern auch den Austausch mit anderen Kliniken/Ärzten deutlich vereinfacht.

Medlanes: Ärztlicher Notdienst

Der privatdienstliche Bereitschaftsdienst Medlanes geht noch einen Schritt weiter: Rund um die Uhr, jeden Tag der Woche, auch an Feiertagen, können Privatpatienten und Selbstzahler im akuten Krankheitsfall oder zur Vorsorgeuntersuchung einen Arzt anfordern. Per Telefon oder App wird der Termin vereinbart und dabei ist der Behandlungsort flexibel, sei es zu Hause, im Hotel oder am Arbeitsplatz.  Durch Medlanes wird das ärztliche Versorgungskonzept durch digitale Möglichkeiten neu gedacht und passt sich immer mehr den Wünschen und Bedürfnissen der Patienten an. Lange Wartezeiten auf Termine und im Wartezimmer gehören hier bereits der Vergangenheit an.

Doctor on demand: Telemedizinische Angebote in den USA

Doctor on demand und auch MDLIVE sind telemedizinische Angebote in den USA, die sich dort bereits großer Beliebtheit erfreuen. 24 Stunden/ 7 Tage und 365 Tage im Jahr stehen hier Mediziner auf digitalen Wegen zur Verfügung. Gerade im Bereich von "Nicht-Notfall-Erkrankungen" nehmen diese einen zunehmend wichtigen Stellenwert in der Versorgung ein.  Das deutsche Startup TeleClinic verfolgt denselben Ansatz. Per Telefon, Video oder Chat können Patienten den passenden Arzt kontaktieren und sich Rezepte elektronisch ausstellen lassen. Dabei geht es noch einen Schritt über den deutschen Notfalldienst Medlanes hinaus, denn mit einigen privaten und gesetzlichen Krankenkassen bestehen bereits Kooperationen, so dass die Kosten übernommen werden. Aber auch Selbstzahler können die Dienste von TeleClinic nutzen.
In den USA sind Patienten gewohnt, für die entstandenen Arztkosten selbst aufzukommen, so dass bei telemedizinischen Angeboten Komfort und Flexibilität schnell überzeugen können. Anders sieht es noch in Deutschland aus. Erst wenn solche digitalen Arztangebote vollständig von den Krankenkassen getragen werden, werden diese sich in Zukunft derselben Beliebtheit erfreuen können.

Digital Health pusht medizinische Forschung und Entwicklung

Die Tatsache, dass immer mehr Menschen bereit sind digitale medizinische Unterstützung zu nutzen, hat auch für die medizinische Forschung einen entscheidenden Vorteil. Denn so werden in großem Stil freiwillig Gesundheitsdaten gesammelt, die für wissenschaftliche Studien sonst oftmals nur in sehr kleinem Umfang zur Verfügung standen. In Zukunft könnten diese Daten leichter für die Forschung zugänglich sein und so fundiertere Studien ermöglichen. 

digital-health-pusht-medizinische-forschung-und-entwicklung

 Prognosen für den E-Health Markt

  • Digitale Gesundheitsprodukte beeinflussen den Gesundheitsmarkt immer mehr. Das liegt zum einen an der steigenden Nachfrage von Kunden nach Apps und Co. als auch an fortschreitenden medizinischen Entwicklungen, die immer mehr von der Digitalisierung profitieren.
  • Digital Health macht Patienten mündiger. In Zukunft treten immer besser informierte Patienten den Ärzten gegenüber und sind gleichzeitig stärker bereit, ihre Gesunderhaltung in die eigene Hand zu nehmen.

Zwangsläufig werden sich die Behandlungsmethoden durch die neuen digitalen Möglichkeiten verändern. Außerdem könnten immer mehr medizinische Konsultationen über Plattformen stattfinden. Das entspräche zum einem dem Wunsch vieler Patienten, verschiedene Ärzte zu einem Krankheitsbild zu befragen und würde andererseits auf das wachsende Bedürfnis nach mehr örtliche und zeitliche Flexibilität bei Arztbesuchen eingehen.

Was bedeutet das für den Health-Care Markt?

Für Unternehmen im Bereich Health Care ist es wichtig, diese digitale Transformation mitzugehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Denn immer mehr neue Geschäftsideen und Start-Ups entdecken den Markt für sich. Hinzu kommt, dass auch etablierte Health Care Unternehmen zunehmend digitale Lösungen in ihren Leistungskatalog aufnehmen.

Digitale Transformationsprozesse gezielt nutzen!

digitale-Transformationsprozesse-gezielt-nutzen

Um die digitalen Transformationsprozesse für Ihr Unternehmen zu nutzen, ist es essenziell, die eigenen Unternehmenskompetenzen genau zu kennen bzw. ggf. auch einzugrenzen und diese dann gezielt auszubauen.

Wie so oft ist es dabei unabdingbar, die eigenen Kunden gut zu kennen und in diesen Prozess mit einzubeziehen. Ist Ihr Kundenstamm innovationsfreundlich und wartet bereits auf weitere digitale Angebote? Oder gibt es auch Bestandskunden, die den digitalen Wandel eher langsam gehen?

Ein weiteres Wachstum des digitalen Health Care ist sehr wahrscheinlich. Dennoch: Manche Innovationen werden sich durchsetzen, andere wiederum nicht. Wichtig ist es daher, die Vorteile und Risiken von digitalen Innovationen für Ihr Unternehmen vorab genau abzuwägen – und je besser Sie Ihre Kunden kennen, desto leichter ist es.

Quellen: 

https://www.barmer.de/blob/133070/4fddba3da4194d0061a587a519a45c33/data/dl-4-zehn-thesen-zur-digitalen-transformation-im-gesundheitswesen---eine-branche-zwischen-etabliertem-stillstand-und-disruptiven-spruengen.pdfhttps://www.gruenderszene.de/allgemein/5-hindernisse-digital-health-startups-scale11-2016-6943https://www.sana.de/unternehmen/digitalisierung/patientus/https://www.rolandberger.com/de/Publications/pub_digital_and_disrupted_all_change_for_healthcare.html

 

Thema: Healthcare Marketing

Blogartikel zu ähnlichen Themen

Wo steht die Digitalisierung im Gesundheitswesen in Zeiten von Corona?
Das große Potenzial einer digitalen Gesundheitsversorgung: Die Corona Krise hat das deutsche Gesundheitswesen auf die Probe gestellt. Dabei hat sich einmal mehr das ...
Weiterlesen
E-Procurement: Digitale Beschaffungsinnovation im Gesundheitswesen
Die Digitalisierung des Gesundheitswesens bietet große Chancen. Sie führt zu mehr Effizienz, Qualität und Patientenorientierung. Besonders erfolgreich ist der Einsatz ...
Weiterlesen
E-Procurement vertieft Ihre Kundenbindung im Gesundheitswesen
Kundeninteraktionen vereinfachen mit digitalen Vertriebsstrukturen "Lieferbar" oder "nicht lieferbar", das ist heute eine Frage, die im Online-Shop innerhalb von ...
Weiterlesen