E-Health Produkte: zwischen Datenanalyse und Datenschutz

Von Felicitas Viegas am 27 Februar, 2018
wearables, healthcare, medizinprodukte, telemedizin

Die Wearable-Welle wird kommen, da sind sich Experten mittlerweile sicher. Wie richtig oder falsch sie damit auch liegen - eines ist klar: Je besser nachgewiesen wird, dass Wearables bei bestimmten Krankheitsbildern die Lebensqualität verbessern, desto schneller werden sie fester Bestandteil unseres Gesundheitsalltags sein. Allerdings kommt dem Schutz von sensiblen Daten hierbei eine besondere Bedeutung zu.

 

Lifestyle-Accessoire und E-Health Produkt

Wie jede andere Entwicklung auch, so lässt sich der telemedizinische Fortschritt nicht aufhalten und was man salopp als Trend bezeichnet, ist dazu in der Lage, grundlegende Veränderungen herbeizuführen. Im Bereich der telemedizinischen Anwendungen geht der Impuls dabei maßgeblich von den Kunden und Patienten aus. Das hat natürlich Konsequenzen für das Online-Marketing von Medizinprodukten.

Auch bei der Nutzung von Fitnessarmbändern, Pulsuhren und Smartwatches ist das so: Fit bleiben, regelmäßig trainieren und die eigenen Körperfunktionen besser verstehen – für einen Teil der Bevölkerung hat das einen gewissen Reiz. Gesunderhaltung, Neugier und Optimierung der eigenen Fitness lässt sie sogar selbst aktiv in Gesundheitsapps investieren. Dies als nettes Lifestyle-Accessoire abzutun, wäre falsch. Vielmehr geht es hier darum, Möglichkeiten wahrzunehmen und Wissen von EHealth-Produkten für sich zu nutzen.

3 Beispiele für telemedizinische Produkte

Bei telemedizinischen Anwendungen im Gesundheitswesen werden Wearables als medizinisch wertvolle Gesundheitshilfen eingesetzt. Sie helfen, die Lebensqualität von Menschen mit bestimmten Erkrankungen zum Teil enorm zu verbessern.

Telemedizin Notrufknopf Glucosemessung Herzinsuffizienz

1. Beispiel: Unblutige Glucosemessung für Diabetiker

Seit 2014 erleichtert ein Hightech-Sensor das Leben vieler Diabetiker. Das System ermöglicht das Zuckermessen in der Zwischenzellflüssigkeit des Unterhautfettgewebes. So entfällt größtenteils das Messen des Blutzuckerspiegels über das Blut (Fingerpieks). Über einen kleinen Sensor, den der Patient am Oberarm platziert, kann 14 Tage lang die Zuckerkonzentration gemessen werden. Mit einem Lesegerät wird der Sensor gescannt und die Werte werden direkt angezeigt. Außerdem zeigt das Gerät nicht nur den aktuellen Glukosespiegel an, sondern berechnet Trends und 24-Stunden-Verläufe. Das System ist schon für Kinder ab vier Jahren zugelassen. Erste gesetzliche Krankenkassen erstatten dafür bereits die Kosten.

2. Beispiel: Notrufknopf für Senioren

Schon länger bekannt und für viele Senioren ein treuer Begleiter ist der sogenannte „Notrufknopf“. Für allein lebende Senioren mit Erkrankungen bietet der Notrufknopf die Möglichkeit, per Knopfdruck über ein Funkgerät Hilfe zu bekommen oder bei Bedarf direkt einen Krankenwagen zu bestellen. Eine zusätzliche Sicherheit, die ihnen hilft weiterhin eigenständig zu wohnen und dennoch an Hilfe angebunden zu sein.

3. Beispiel: Fontane-Studie für Herzpatienten

Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz können jederzeit schnell und unbemerkt in eine lebensgefährliche Lage geraten. Die Fontane-Studie der Charité in Berlin bietet in einem Modellprojekt ein telemedizinisches Frühwarnsystem an. Die Patienten übermitteln tägliche ihre Daten zu Blutdruck, Puls, Körpergewicht und Wohlbefinden. Bei auffälligen Werten werden sie entsprechend kontaktiert. Bundesweit nehmen 1500 Patienten in 111 Zentren an der Fontane-Studie für Herzpatienten teil. Erste Ergebnisse wollen die Mediziner dieses Jahr veröffentlichen.

Patientennutzen und Datenschutz im Fokus: E-Health Gesetz

Datenschutz e-health Gesetz

Das E-Health Gesetz sieht eine verbesserte Gesundheitsversorgung durch eine sichere digitale Infrastruktur mit Ausbau von Patientennutzen und Datenschutz sowie den Einstieg in die elektronische Patientenakte vor. Das betrifft sowohl telemedizinische Anwendungen als auch die Nutzung von Wearables. Patienten sollen so die Möglichkeit bekommen, dem Arzt auch selbst Daten - z.B. aus Fitnesstrackern oder Wearables - zu übermitteln.
Mit einer sicheren digitalen Infrastruktur soll das Gesetz die Voraussetzungen für die medizinische Versorgung der Zukunft schaffen. Noch ist das bislang Theorie. In der Praxis allerdings nutzen viele Menschen bereits Wearables, die Körperfunktionen messen und diese sensiblen Daten an andere Anbieter weiterversenden.

Unsportlichkeit beim Datenschutz

Viel Kontrolle über Vitalfunktionen heißt im Fall von Wearables häufig auch zu wenig Kontrolle über die eigenen persönlichen Daten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von zwölf Wearables und 24 Fitness-Apps. Durchgeführt wurde der Test vom Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale NRW.

Fazit: die meisten untersuchten Apps senden zahlreiche Nutzerdaten, darunter auch Gesundheitsdaten an Anbieter und räumen sich das Recht ein, Daten auch an Drittanbieter weiter zu reichen -  oftmals für Werbezwecke. Liegen die Server der Anbieter im Ausland, können sie einem geringeren Datenschutzstandard unterliegen als in Deutschland und ein Rückruf von sensiblen Daten ist kaum möglich.

Sensible Daten können von Drittanbietern genutzt werden

Hinzu kommt, dass in den Datenschutzinformationen häufig nicht ausreichend über die Verwendung der Daten informiert wird, so die Verbraucherzentrale NRW. Nutzen hätten von diesen Daten vor allem Pharmakonzerne, die sich so aufwendige Forschungsstudien sparen könnten und Versicherungen, die durch die sensiblen Vitaldaten ihr Risiko minimieren und gleichzeitig Druck auf Patienten ausüben könnten. 

Trend steigend: Healthcare-Produkte sind beliebt!

Und dennoch: gerade bei Patienten, für die medizinisch sinnvolle EHealth-Produkte in Frage kommen, ist das Interesse groß und ihr Einfluss auf den Gesundheitsmarkt ebenso. Laut dem Beratungs- und Forschungsunternehmen CCS Insight soll die Anzahl von Wearables bis zum nächsten Jahr auf 350 Millionen weltweit steigen. Bis 2020 sieht CCS für den Verkauf und die Nutzung von Fitnesswatches und auch von tragbaren Kameras und Brillen mit spezieller Sensorik ein stetiges Wachstum.

4 Fakten für Hersteller von telemedizinischen Produkten

Die Nachfrage  und Akzeptanz von EHealth-Produkten als medizinsche Unterstützung ist groß. Eine Studie der Techniker Krankenkasse, „#SmartHealth“ 2016 hat dazu interessante Ergebnisse veröffentlicht, die auch für das Healthcare Marketing von telemedizinischer Produkte interessant sind.

Telemedizin eHealth wearables

1.) Nutzung von Wearables steigt

Das Interesse von Kunden und Patienten an Wearables ist ungebrochen hoch und wird weiter steigen. Gerade Menschen, für die telemedizinische Anwendungen die Lebensqualität verbessen, werden weiter deren Nutzung befürworten. Die Studie der Techniker Krankenkasse ergab, dass in der Gruppe der 60- bis 70-Jährigen fast jeder Zweite ein Smartphone hat. Außerdem gab diese Gruppe an, dass sie sich gut vorstellen kann, medizinisch verwertbare Vitaldaten zu sammeln.

2.) Anforderungen an Handhabung steigen

Die Anforderungen an eine leichte und intuitive Handhabung werden steigen. Denn wenn Wearables immer mehr zu medizinischen Produkten werden, dann werden sie von einer größeren Zahl auch älterer Menschen bedient. Eine leichte und intuitive Bedienung wird daher essentiell sein.

3.) Anforderungen an Datenschutz wachsen

Trotz der vielen Vorteile, die durch die elektronische Weitergabe von Wearable-Daten gegeben ist, sind die meisten Nutzer um ihrer persönlichen Daten besorgt. So gaben 95 Prozent der Befragten in der TK-Studie an, dass das Thema Datenschutz und Datensicherheit für sie wichtig ist. Nutzung von Daten „Ja“, aber nur mit entsprechendem Datenschutz.

4.) Interesse an medizinischem Fortschritt wächst

Das Interesse an weiterem Fortschritt ist da. Der Studie zu Folge sind 61 Prozent der Bürger bereit, ihre anonymisierten Daten an Ärzte und Wissenschaftler herauszugeben. Und zwei von drei Deutschen glauben, dass mit ihren Gesundheitsdaten medizinische Fortschritte erzielt werden können.

Was heißt das für Ihr Healthcare Marketing?

In Zukunft werden EHealth Produkte unseren Gesundheitsalltag aktiv unterstützen, denn die Nachfrage ist enorm und das Interesse an medizinischem Fortschritt ebenfalls. Jedoch ist die Zielgruppe, die Wearables in einer Art medizinischer Therapie verwendet, zumindest aktuell noch eine Generation, die Hilfe und Service bei der Bedienung benötigt.

Maßgeschneiderten Kundenservice bieten

Für das strategische Marketing von Medizinprodukten bedeutet das, dass Sie sich an die Anforderungen ihrer Kunden anpassen müssen. Um langfristig Kunden zu binden ist es wichtig, Transparenz zu schaffen und Service bei der Bedienung und Wartung anzubieten, um Kunden so eine sichere Verwendung von Healthcare Produkten zu ermöglichen.

EBook Telemedizin weltweit auf dem Vormarsch

 

Quellen:

https://www.tk.de/centaurus/servlet/contentblob/915488/Datei/176216/TK-Pressemappe-TK-Studie-SmartHealth-2016.pdf

http://www.ccsinsight.com/press/company-news/2516-wearables-momentum-continues

https://www.verbraucherzentrale.de/datenschutz-bei-wearables-und-fitness-apps

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/krankenversicherung/e-health-gesetz/e-health.html

https://www.freestylelibre.de/

http://www.gesundheitsregion-fontane.de/

http://www.e-commerce-magazin.de/welches-unternehmen-ist-fuer-den-siegeszug-der-wearables-geruestet

 

Thema: Gesundheitswesen, Telemedizin


Neueste Beiträge

Die wichtigsten Key Performance Indicators (KPIs) für Online-Marketing

read more

Mit CRM-Software mehr Leads generieren und Umsatz steigern!

read more

Wie Medizintechnik Unternehmen den ROPO Effekt für mehr Umsatz nutzen!

read more