Wo steht die Digitalisierung im Gesundheitswesen in Zeiten von Corona?

Von Carlotta Wehrmann am 09 Oktober, 2020
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Das große Potenzial einer digitalen Gesundheitsversorgung

Die Corona Krise hat das deutsche Gesundheitswesen auf die Probe gestellt. Dabei hat sich einmal mehr das große Potenzial einer digitalen Gesundheitsversorgung gezeigt. Von telemedizinischen Anwendungen bis hin zur praxis- und klinikübergreifenden Vernetzung präsentieren sich digitale Technologien als Chance, Patienten nicht nur in Krisenzeiten umfassender und effektiver zu versorgen.

Um dieses Potenzial schneller nutzen zu können, wurde am 7. November 2019 das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) durch den Bundestag beschlossen. Doch wie weit ist die Digitalisierung im Gesundheitswesen und welche Hürden hat sie in Zukunft zu bewältigen?

Wo steht die digitale Transformation im Gesundheitswesen?

Der Digitalisierungsgrad im Gesundheitswesen wurde im aktuellen Digitalisierungsindex Mittelstand analysiert. Die im Auftrag der Telekom durchgeführten Studie hat die Digitalisierungsbemühungen verschiedener Branchen erfasst und miteinander verglichen. Das Ergebnis: In den vergangenen Jahren haben Praxen und Kliniken in puncto Digitalisierung aufgeholt. Neben der Optimierung von Arbeitsabläufen stand dabei vor allem die Verbesserung der Patientenversorgung im Fokus.

Online-Services für mehr Patientenzufriedenheit

Die Hälfte der medizinischen Einrichtungen betreibt eine Website, um das eigene Produkt- und Leistungsangebot vorzustellen. Bei 44 Prozent ist ein solcher Online-Auftritt in Bearbeitung. Um die Terminorganisation zu vereinfachen, setzen 38 Prozent der Praxen und Kliniken auf Online-Terminbuchungen. Hier gehen vor allem Arztpraxen mit einem Anteil von 54 Prozent voran. Neben einer erhöhten Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit gehört eine enorme Zeitersparnis zu den positiven Effekten dieses Online-Services. Mit der digitalen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und dem E-Rezept stehen bereits zwei weitere Optionen zur Vereinfachung der Patientenbetreuung in den Startlöchern.

Digitale Gesundheitsdaten optimieren die Patientenversorgung

Auch in der Patientenversorgung sind digitale Technologien angekommen. Hier geht es vor allem um die digitale Erfassung medizinischer Daten. In 42 Prozent der befragten medizinischen Einrichtungen können Ärzte und Pflegekräfte auch mobil auf die Gesundheitsdaten ihrer Patienten zugreifen. 33 Prozent planen derzeit den Einsatz einer solchen Mobility-Lösung. Die elektronischen Patientenakte (ePA) optimiert nicht nur die Patientenversorgung, sondern auch die Qualität der Dokumentation. Denn alle medizinischen und pflegerischen Leistungen können noch am Krankenbett dokumentiert werden.

42 Prozent der befragten Praxen und Kliniken tauschen digitale Gesundheitsdaten bereits mit externen Ärzten aus. 52 Prozent nutzen die digitale Datenübertragung für einen fachlichen Austausch über Röntgen- und CT-Aufnahmen. Mithilfe einer solchen praxisübergreifenden Vernetzung können Ärzte bei Bedarf noch während der Untersuchung des Patienten eine externe Expertenmeinung einholen. Damit kann vor allem die medizinische Versorgung in strukturschwachen Gebieten optimiert werden. Seit April
2017 können Vertragsärzte Telekonsile zur Befundung von Röntgen- und CT-Aufnahmen abrechnen.

Herausforderungen einer flächendeckenden Vernetzung im Gesundheitswesen

Die Nutzung und der Austausch digitaler Gesundheitsdaten sind die Basis einer effizienten Patientenversorgung. Hierfür benötigt es allerdings eine umfassende interne und externe Vernetzung. Für den flächendeckenden Einsatz der elektronischen Patientenakte (ePA) im Januar 2021 soll auch die Telematikinfrastruktur (TI) weiter ausgebaut werden.

Bisher verfügen jedoch noch nicht alle Arztpraxen und Kliniken über die entsprechenden technischen Voraussetzungen. Vor allem die Vernetzung zwischen Medizintechnik und Praxis EDV stellt häufig eine Herausforderung dar. Hier können Datenschnittstellen sowie ein einheitliches medizinisches Betriebssystem Abhilfe schaffen.

Telematikinfrastruktur

Telemedizin als Hilfe in der Corona-Krise

Die Digitalisierung des Healthcare Sektors bietet eine Vielzahl innovativer Behandlungsmöglichkeiten, die spätestens seit der Corona Krise nicht mehr wegzudenken sind. So ist es seit der Lockerung des Fernbehandlungsverbotes im Mai 2018 möglich, Patienten z.B. per Videosprechstunde zu betreuen. Das große Potenzial dieser Behandlungsmöglichkeit hat sich in den letzten Monaten gezeigt. Denn viele Menschen haben aus Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19 den Gang zum Arzt vermieden.

Die Videosprechstunde präsentierte sich dabei als eine sichere und praktische Alternative, die auch im Falle einer Grippe- und Erkältungswelle äußerst hilfreich sein kann. In Kombination mit dem E-Rezept und der digitalen Arbeitsunfähigkeits­bescheinigung werden telemedizinische Anwendungen für den Patienten in Zukunft noch praktikabler. Auch das Telemonitoring von Gesundheitsdaten könnte zukünftig die Behandlung gesundheitlich gefährdeter oder chronisch kranker Patienten enorm erleichtern. Die entsprechende Medizintechnik ist bereits auf dem Markt.

IT-Sicherheit und Datenschutz als große Hürde

Ob telemedizinische Anwendungen, Gesundheits-Apps oder die Einführung der elektronischen Patientenakte – digitale Technologien sind eine wesentliche Voraussetzung für die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems. Gleichzeitig stellt die Kommunikation sensibler Patientendaten hohe Anforderungen an IT-Sicherheit und Datenschutz.

So sehen 44 Prozent der medizinischen Einrichtungen die Sicherstellung des Datenschutzes als große Herausforderung bei der Umsetzung digitaler Projekte. 36 Prozent haben Schwierigkeiten mit der Gewährleistung der IT-Sicherheit. Im Zuge der digitalen Transformation des Gesundheitswesens darf daher auch die Entwicklung weitreichender Sicherheitskonzepte nicht vernachlässigt werden.

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist in vollem Gange

In vielen Praxen und Kliniken werden bereits erfolgreich digitale Technologien zur Optimierung von Praxisabläufen eingesetzt. Darüber hinaus profitiert vor allem die Patientenversorgung vom Einsatz effektiver Informations- und Kommunikationstechnologien. Um digitale Patientendaten und telemedizinische Anwendung in Zukunft noch besser nutzen zu können, wurde am 7. November 2019 das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) durch den Bundestag beschlossen. Die Basis dafür ist jedoch eine flächendeckende Vernetzung medizinischer Einrichtungen. Dabei haben Datensicherheit und Datenschutz höchste Priorität.

Ein Großteil der medizinischen Einrichtungen hat die Digitalisierung bereits fest in ihre Geschäftsprozesse integriert. Damit ergeben sich auch für MedTech-Unternehmen neue Geschäftsfelder mit großem Potenzial. Wer Arztpraxen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen auch in Zukunft als Kunden langfristig binden möchte, muss ebenfalls auf digitale Technologien setzen. Erfahren Sie hier, mit welchen Digitalisierungsstrategien Ihr Medizinprodukte-Vertrieb auch in Krisenzeiten überzeugt.

 

Mehr Infos

 

Quellen:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/e-health-initiative.html#c11940https://www.kbv.de/html/telemedizin.phphttps://www.digitalisierungsindex.de/studie/digitale-transformation-im-gesundheitswesen-2019-20/Branchenbericht Medizintechnologien 2020 – Bundesverband Medizintechnologie – BVMed

 

Thema: Gesundheitswesen, e commerce, Digitalisierung, Digitale Technologien


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